Wenig Interesse für Gebäudeprogramm in Zürich

Sind absolute Energiefresser:  Die Gebäude in der Schweiz machen fast die Hälfte des landesweiten Energieverbrauchs aus.

Das neue Gebäudeprogramm stösst im Kanton Zürich auf wenig Interesse. Er stellt keine hohen Fördersummen zur Verfügung und steht damit nicht alleine da. Die Gebäude in der Schweiz sind Energiefresser. Auf ihr Konto gehen rund 40 Prozent des landesweiten Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses. Der Bund hat deshalb ein Gebäudeprogramm lanciert. Seit Anfang 2010 stehen für die Sanierung von Gebäudehüllen Bundesgelder aus der C02-Abgabe zur Verfügung. Die Absicht dahinter: Die Hausbesitzer profitieren langfristig von tieferen Energiekosten und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz.

Die Bilanz nach einem Jahr: 30'000 Gesuche sind eingegangen – doppelt so viel, wie Bund und Kantone erwartet haben. Dieser Trend setzt sich fort. «Die Hausbesitzer zeigen ungebrochen Interesse, ihre Liegenschaften zu sanieren», sagt Markus Spörndli vom Gebäudeprogramm. Für den Kanton Zürich gilt dies jedoch nur bedingt. Von hier stammen rund 3800 Gesuche mit einer Fördersumme von 30 Millionen Franken. Was in absoluten Zahlen nach viel tönt, ist im relativen Vergleich bescheiden: Mit 283 Gesuchen pro 100'000 Einwohner liegt Zürich nur im hinteren Mittelfeld, weit entfernt von den Spitzenreitern Glarus (678) und Uri (668). Das Schlusslicht bildet der Kanton Waadt (199).

Basel-Stadt und Zürich gleich

Auffällig ist, dass sich andere Kantone mit grossen Städten ebenfalls schwertun. Basel-Stadt etwa weist exakt dieselbe Rate auf wie Zürich. Eine mögliche Erklärung: Im urbanen Umfeld gibt es laut Spörndli vergleichsweise viele Mehrfamilienhäuser, für die normalerweise nur je ein Gesuch eingereicht wird. Ähnlich argumentiert Dominik Bonderer, Sprecher der Baudirektion von Markus Kägi (SVP): In Zürich stünden viele grosse Gebäude mit komplizierten Eigentümerstrukturen. «Deshalb dauert es tendenziell länger, bis ein Konsens für eine Sanierung vorliegt.»

Gleichwohl bleibt fraglich, ob der Kanton Zürich genug tut. Nebst dem nationalen Teil enthält das Gebäudeprogramm auch einen kantonalen. Zürich unterstützt nicht nur die Sanierung der bestehenden 284'000 Gebäude. Mit Subventionen fördert der Kanton zum Beispiel auch Ersatzneubauten nach Minergie-P-Standard, Holzfeuerungen oder den Ersatz von Elektro-Widerstandsheizungen mit Erdsonden-Wärmepumpen.

Schafft Zürich genug Anreize?

Ob diese Anreize ausreichen, lässt sich laut Bonderer noch nicht sagen. Ein Ausbau des Angebots werde die Baudirektion prüfen, sofern sich Zürich im interkantonalen Vergleich nicht verbessern sollte. Bonderer ist jedoch zuversichtlich: Beim Gebäudeprogramm der Stiftung «Klimarappen» lag der Kanton Zürich anfangs ebenfalls auf den hinteren Rängen. 2009, am Ende des vierjährigen Programms, hatte er sich auf Rang zwei verbessert.

Trotz des brachliegenden Potenzials in Zürich bezeichnet Beat Vonlanthen, Freiburger CVP-Staatsrat und Präsident der Konferenz der Schweizer Energiedirektoren, das Gebäudeprogramm als «Erfolgsgeschichte». Deren Kehrseite: Es liegt zu wenig Geld in der Kasse. Von den 30'000 Gesuchen wurden letztes Jahr 26'000 mit einer Fördersumme von total 204 Millionen Franken bewilligt. Aus der C02-Abgabe fliessen aber bloss 133 Millionen Franken pro Jahr an den nationalen Teil des Gebäudeprogramms. 67 gehen an die Kantone.

Weniger Geld für neue Fenster

Um die Liquidität über die gesamte Laufzeit von zehn Jahren zu gewährleisten, haben Bund und Kantone auf den 1. April «sanfte Anpassungen» beschlossen. Die Minimalfördersumme pro Gesuch wird von 1000 auf 3000 Franken erhöht. Das senke die Bearbeitungskosten pro gefördertem Quadratmeter, womit mehr Mittel für Sanierungsprojekte zur Verfügung stünden, sagt Spörndli. Zusätzlich sinken die Beiträge an neue Fenster von 70 auf 40 Franken. Grund ist laut Spörndli ein Technologiesprung: Heute kosten dreifach verglaste Fenster nur noch wenig mehr als zweifach verglaste. «Dadurch lässt sich mit weniger Mitteln gleich viel CO2 einsparen.»

Trotz der Neuerungen wird das Gebäudeprogramm ohne weitere Finanzspritze weiter an seine Grenzen stossen. Dies hat der Ständerat erkannt. Er will den Gebäudeanteil aus der C02-Abgabe deshalb anheben, von heute 200 auf 300 Millionen Franken. Offen ist, ob im Nationalrat dieselbe Bereitschaft besteht. Martin Bäumle, Mitglied der Energiekommission, stuft die Chancen als «relativ gross» ein. Entsprechende Signale ortet der Zürcher GLP-Nationalrat nicht nur bei der Linken, sondern auch bei den Bürgerlichen: «Haussanierungen generieren Aufträge fürs Gewerbe und somit Wachstum im Inland.»

Quelle: Tagesanzeiger

28.3.2011