Schweizer Wohnungsbau boomt
Der Wohnungsbau in der Schweiz läuft immer noch auf Hochtouren. Im zweiten Quartal befanden sich 12 Prozent mehr Wohnungen und Einfamlienhäuser im Bau als im Vorjahr. Doch mit Blick in die Zukunft zeichnet sich eine Verlangsamung ab. Denn die Zahl der Baubewilligungen ging zurück.
Zwischen April und Juni erteilten die Behörden knapp 2 Prozent weniger Bewilligungen. Bewilligt wurde noch 11'810 Wohnungen. In den Agglomerationen der fünf grössten Städte sank die Zahl der Baubewilligungen besonders stark, nämlich um 17 Prozent. Mehr Wohnungen wurden in Basel und Lausanne zum Bau freigegeben, wie das Bundesamt für Statistik (BfS) mitteilt.
Mehr Wohnraum in kleineren Gemeinden
9750 neue Wohnungen waren im zweiten Quartal bezugsbereit. Mehr neue Wohnungen entstanden in Gemeinden mit einer Grösse zwischen 5000 und 10'000 Einwohnern sowie in kleinen Gemeinden bis zu 2000 Einwohnern. In den Agglomerationen der fünf grössten Städte dagegen sank die Zahl der neu erstellten Wohnungen um knapp 20 Prozent. Rückläufig war die Bautätigkeit besonders in den Agglomerationen von Bern, Genf, Basel und Zürich.
Das erklärt, warum trotz Bauboom die Wohnungssuche vor allem in den Städten immer noch mühsam ist. So betrug die Leerwohnungsziffer im Juni zum Beispiel in Zürich tiefe 0,07 Prozent – minim mehr als vor einem Jahr. Am Stichtag 1. Juni standen in der Stadt gerade mal 136 Wohnungen leer. Das ist zu wenig für einen funktionierenden Wohnungsmarkt.
Viele Wohnungen noch im Bau
In der Schweiz befanden sich Ende Juni rund 67'420 neue Wohnungen noch im Bau. Das sind 12 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Alle Gemeindegrössen verzeichneten Zunahmen zwischen 2 bis 21 Prozent. In den Agglomerationen der fünf grössten Städte befanden sich 8,5 Prozent mehr Wohnungen im Bau. Neben der Agglomeration Bern war vor allem in Genf eine beträchtliche Zunahme zu beobachten.
Tiefe Zinsen als Motor
Der Wohnungsbau boomt vor allem wegen der tiefen Zinsen. Die Banken buhlen um neue Hypothekarkunden, die sich ein Eigenheim finanzieren wollen. Dabei gewähren sie teilweise Konditionen, die bei steigenden Zinsen schlimme Folgen haben könnten. So berichtete die «NZZ am Sonntag» kürzlich, dass 9 Prozent der Hausbesitzer in der Schweiz im Vergleich zu ihrem Nettolohn eine zu hohe Hypothek haben.
Mehrheit sieht keine Immobilienblase
Von einer Immobilienblase will aber kaum jemand sprechen. Zwar warnen einige Experten, der Schweizer Markt entwickle sich in diese Richtung. Die meisten sehen jedoch lediglich einzelne Übertreibungen, wie etwa der Schweizer Hauseigentümerverband.
Die derzeitige Situation sei keinesfalls mit der Immobilienblase von 1990 zu vergleichen. Die Nachfrage nach Wohnraum werde nicht plötzlich wegbrechen und die Preise zum Einsturz bringen, schreibt der HEV in einer Mitteilung.
Preisexzesse an Toplagen
Preisexzesse gebe es an teuren Toplagen, sagt Lorenz Heim, der Leiter des VZ-Hypothekenzentrums. Solche Haus- oder Wohnungskäufe seien aber nicht durch die Banken finanziert. Anders als in den USA würden bei uns bestehende Hypotheken nicht zu Konsumzwecken aufgestockt.
8.9.2010

