Hausbauer verzichten auf Luxus

Luxus ist out - Funktionalität gefragt
Eine Umfrage an der gestern eröffneten Messe Bauen & Modernisieren in Oerlikon zeigt: Obwohl die Zinsen tief sind, gönnen sich Schweizer kaum mehr teure Ausbauten. In der Messe Oerlikon wartet der Swimmingpool-Verkäufer auf Interessenten. Läuft das Geschäft dank der tiefen Hypozinsen besser? «Nein», sagt der Pool-Spezialist. Seine Kundschaft mache den Bau eines Schwimmbeckens oder eines Whirlpools nicht vom Hypozins abhängig. Auch der Verkauf von klimatisierten Weinschränken, hochpreisigen Waschmaschinen und Badeinrichtungen ist wegen des günstigen Kreditniveaus nicht sprunghaft angestiegen, wie mehrere Verkäufer übereinstimmend bestätigen.
Diese Aussagen decken sich mit den Ergebnissen einer kleinen Umfrage unter Messebesuchern. Ein junges Paar, das im Zürcher Oberland ein Haus bauen will, hat sein Budget wegen des günstigen Geldes nicht erhöht. «Wir geben nicht mehr aus, aber wir investieren das Geld jetzt, weil der Zeitpunkt günstig ist», sagt der junge Mann, der als Banker arbeitet.
Rentner investieren mehr
Auch eine 29-jährige Frau, die in Begleitung ihrer Mutter in der Messe nach Inspirationen für den Ausbau ihrer neuen Wohnung sucht, zeigt sich bei der Finanzierung vorsichtig. Sie wolle auf keinen Fall mehr ausgeben, als sie schon seit längerem geplant habe. «Ich habe meiner Tochter immer geraten, dass sie die Hälfte des Gesamtbetrags selber bezahlen soll», sagt die Mutter. Auf diese Weise sei die Wohnung auch in Zukunft bei höheren Zinsen jederzeit finanziell tragbar.
Ein wenig Luxus im Eigenheim leisten sich die Schweizer aber trotzdem. In diese Käuferkategorie fallen gemäss einem Händler von edlen Naturstein-Badeinrichtungen vor allem finanziell gut gestellte Rentner. «Diese Leute sind sehr an Lifestyle interessiert. Sie holen sich ihre Ideen in Wohnzeitschriften», sagt er. Viele dieser Pensionierten wollen sich damit im Herbst ihres Lebens etwas gönnen. Häufig stehe eine Renovation, an und die ungeliebten braun-grünen Kacheln aus den Achtzigerjahren würden im Badzimmer durch Produkte aus Naturstein ersetzt. Eine schöne Badewanne in derartiger Ausführung ist laut dem Händler ab etwa 25'000 Franken erhältlich.
Nicht nur bei den Hypozinsen bewegen sich die Tarife nach unten, auch bei den Installationen für Küche und Bad fallen die Preise wegen des schwachen Euros. Ein Weinschrank-Hersteller sagt, dass seine Firma die Preise bereits im Mai um rund 20 Prozent senkte, was sich sehr positiv auf den Umsatz ausgewirkt habe.
Überangebot an Solarpanels
Auch an anderen Messeständen ist der tiefe Euro ein Dauerthema. Etwa beim Händler von Duschkabinen mit integrierten Dampf- und Duftdüsen. Die Preise würden demnächst um 20 Prozent sinken, sagt er. Aktuell koste das ausgestellte Duschkabinen-Modell noch 32'000 Franken. Deutlich günstiger sind auch Solarpanels zu haben. Auf dem Markt herrsche ein grosses Überangebot, weil viele chinesische Hersteller in den Markt drängen würden, sagt ein Solarpanel-Händler. Die Preise hätten sich in den vergangenen Jahren halbiert. Heute sei eine Einfamilienhaus-Solaranlage für 10'000 Franken erhältlich. Auf einem Rundgang sind neben der Wasser-Dampf-Dusche noch andere Kuriositäten aufgefallen: eine Katzentür, die sich nur durch den im Tier implantierten Mikrochip öffnen lässt, und ein ultraflacher Lautsprecher, eingebaut in die Türrückwand einer Küchenkombination, dazu ein passender sehr schmaler CD-Player über der Ofentür.
4.9.2011
